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Pfadi-Irlandfahrt vom 02.08.2009 bis 09.08.2009

Sonntag, 02.08.2009:
Seit nunmehr fast einem Jahr hatten die 8 Pfadis des Stammes Wolfsspur gerackert und Aktionen am laufenden Band gestartet, um diese einmalige Fahrt finanzieren zu können. Da wurde ein tolles Jahrbuch erstellt und verkauft, diverse Kuchen gebacken und an den Mann gebracht, oder durch Glücksrad und Lose Kurzweil und Spaß verbreitet. Und nun, zu Beginn der Fahrt das: Alle müde. Das lag aber nicht an der Erschöpfung durch die vielen Aktionen, sondern daran, dass es 4 Uhr Morgens war. Da versammelten sich die Grüpplinge, einige Betreuer, die beiden Gruppenleiter und zahlreiche Eltern neben Pfarrer Kaspar Müller, der den Reisesegen spendete, auf dem roten Platz. Die 3 Autos wurden gepackt, die Fahrer mit ordentlich Kaffee für unterwegs ausstaffiert, und dann gings los Richtung Irland, bzw. erstmal zum Flughafen Frankfurt-Hahn im Hunsrück. In den Autos herrschte dann der Müdigkeit sei Dank größtenteils Ruhe, auch wenn das von Auto zu Auto unterschiedlich war. So verlief die 5-stündige Fahrt ohne Probleme. Am Flughafen holte uns dann ein Shuttlebus (wobei gemutmaßt wurde, dass dessen weißbärtiger, alter, Sonnenbrille tragender Fahrer gleichzeitig der Pilot ist) vom Parkplatz und setzte uns vor dem Terminal wieder ab, wo dann erst mal eingecheckt wurde. Dabei stellte sich heraus, dass keiner die Gewichtsgrenze von 15,0 Kilo geknackt hat… nicht mal die Mädels, das Maximum wurde lediglich bis aufs Äußerste ausgeschöpft, und zwar mit einem Gewicht von: 15,0 kg.
Tja, dann stellten wir leider fest, dass unser Flug, der ja eigentlich um 12.15 starten sollte, Verspätung haben würde und wir so erst um 14.30 abheben würden. Die entstandene Wartezeit verbrachten die Irlandfahrer dann bei einer Partie Billard oder Kicker, beim Shoppen, essen, schlafen, und überraschenderweise nicht randalierend. Um 13.00 Uhr trafen wir uns dann zum gemeinsamen Sicherheitscheck, der auch ohne Messer-, Handgranaten- usw… Funden von statten ging. Nach einer Stärkung und einem letzten Duty-free-Einkauf hieß es dann endlich „ab an Board“ und um 15.15.: „Flying home to Kerry“. Hurra!
In Kerry begrüßte uns nach der wackeligen Landung das typisch irische Wetter: milder Wind und Nieselregen und graue Wolken. Und wie machen die Iren das, dass trotz diesem Wetter alles viel grüner und schöner aussieht als bei uns? Diese Frage wurde aber zunächst mal hinten angestellt, denn wir holten unser Gepäck und dann das Leihauto – eigentlich eine Episode für sich. [Lisa: „OOOOAAAAAAAHHHHH! Seeeepp! Da kommt ein Geisterfahrer!“ – Sepp: „Jap. Seh ich. Du!“]
Die Linksfahrkünste von Lisa konnten dann nacheinander von allen in Augenschein genommen werden, denn wir und das Gepäck wurden in 3 Fuhren zum ca. 18 km entfernten Hostel gefahren. So, nachdem wider erwarten alle dieses Abenteuer überlebt hatten, und wir glücklicherweise unterwegs noch einen Lidl entdeckt hatten, der auch am Sonntag offen war, ging es noch ans Einkaufen. (Die Lidls sind hier im Übrigen genau wie die Deutschen… naja… außer halt englisch alles linksrum.)
Gegen 19 Uhr irischer Zeit waren dann alle am Aghadoehouse angekommen und einige fleißige Bienchen bereiteten das Abendessen (Wiener, Ketchup und irische Brotvariationen - Semmeln gabs nicht) vor. Vor der Abendrunde vergnügten sich noch einige bei Stadt-Land-Fluss, bzw ruhten sich im Readingroom lesenderweise aus. Nach der gemeinsamen Besprechung im gemütlichen Gemeinschaftsraum lief im Fernsehen noch Mr. Bean macht Ferien auf DVD.

Montag, 03.08.2009:
Guten Morgen! Es regnet nicht!
Nach einer tiefschlafigen Nacht in den „versifften Betten“, wie einige „Schönwetterpfadis“ beklagten, (sooo schlecht waren sie dann auch wieder nicht… nur die nicht oder nur noch partiell vorhandenen Lattenroste vielleicht…) erwartet uns um 9.00 Uhr ein größtenteils typisch irisches Frühstück: es gab Earl Grey, Scones (Irische Milchteigbrötchen), Marmelade, Brot und irischen Chedda-Käse. Für die, die es lieber deftig mochten, natürlich auch Salami und Schinken. Und natürlich Nutella. Die Koffein-Junkies kamen selbstredend auch nicht zu kurz.
Nun wurden schnell noch ein paar Einkäufe für das Abendessen und die Lunchpakete getätigt. Zur allgemeinen Beruhigung hatten die Pfadis das Hostel noch nicht ganz in Schutt und Asche gelegt, so dass wir mit Lunchpaketen bewaffnet um 11 Uhr in den 8 km entfernten Killarney-Nationalpark aufbrechen konnten. Dabei schafften wir es grandioserweise, 14 Leute auf zwei Fuhren zu verteilen, wobei Fahrer und Beifahrer immer dabei waren. Es lebe der 8-Sitzer Zafira… Das Ziel unserer Wanderung durch den Park war das Muckross-House, ein altes Herrenhaus aus dem Jahr 1849. Der Weg führte uns vorbei an Muckross Abbey, einer Kirchenruine mit urig-keltischem Friedhof, entlang am Ufer des Lough Lean, dem größten See Irlands, über vermooste Steine und durch herrliche Wälder. Wir hatten Gelegenheit, den Blick über den See schweifen zu lassen und die Berge rings um Killarney zu bestaunen. Und vieles davon wurde digital festgehalten. Am Muckross-House verspeisten wir unsere Lunchpakete, bevor um 14.40 Uhr die Führung durch das Haus beginnen konnte. Daran anschließend erleichterten wir im Tourist-Center unsere Geldbeutel um Summen nicht geringer Höhe und/oder gönnten uns einen Kaffee (nein, keinen irischen!).
In zwei Gruppen kehrten wir zum Auto zurück und wurden heil an der Herberge abgeliefert.
Die Zeit, bis es den leckeren selbst gezauberten Shepherd´s Pie (ein Hackfleisch-Kartoffel-Auflauf, mit Käse überbacken – typisch irisch) gab, überbrückten einige Schlafmützen wieder mit Schlafen, andere lasen, und wieder andere halfen in der Küche mit und versuchten, die widersprüchlichen Angaben auf den irischen Kartoffelbreipackungen richtig zu deuten. Dies führte dazu, dass am Schluss noch eine riesige Schüssel Kartoffelbrei übrig war… Das Essen ließen sich die 14 hungrigen Mäuler dann aber erst recht schmecken und verbrachten den Abend wieder bei der ein oder anderen Runde Stadt-Land-Fluss (wieder gewann meistens der Werner, weil der so unleserlich schreibt, dass es deswegen keiner lesen kann und man ihm glauben muss, was er sagt, dass da steht… oder so.)
Ein paar Mädels und der Gabi schauten sich im Fernsehen eine englische Schnulze an, und einige, denen der Spaziergang vom Tag nicht gereicht hat, spazierten noch zu einer alten Kirchenruine und genossen den lauen Abend. Die Leiter ließen sich zu späterer Stunde dann noch ihr Guinness schmecken und alle freuten sich auf den folgenden Tag.

Dienstag, 04.08.2009:
Juhu! Und das Wetter wird immer besser!
Der erste Blick nach draußen ließ gute Stimmung aufkeimen! Frühstück gab es wieder um 9.00 Uhr und nachdem alle ihr Lunchpaket zusammengestellt hatten, erwartete uns um kurz vor 10 Uhr unser Bus. Dieser entpuppte sich dann als antiquiertes Modell wohl aus Zeiten der frühchristlichen Missionierung Irlands. Und der Fahrer wirkte im ersten Augenblick wie ein missionierter Mönch aus eben jener Zeit. Einziger Unterschied: der alte Herr, der da am Steuer dieses Busses saß, fuhr, als sei sonst jemand hinter ihm her… eine nicht so gute Idee, vor allem wenn man bedenkt, dass in diesem Bus einige Sitzbänke lose waren und regelmäßig gefährlich kippten.

Der „Gap of Dunloe- Touristenbus“ brachte uns dann zum südwestlich von Killarney gelegenen Ross Castle, welches wir noch kurz besichtigen konnten, bevor wir um kurz vor 11 Uhr in unsere Boote kletterten, um zu Lord Brandon´s Cottage zu fahren. Eben jene Boote kann man sich als etwas zu groß geratene Ruderboote für 10 Personen vorstellen, angetrieben von einem Honda-Außenboardmotor mit zu wenig PS und gesteuert von einem Iren, der lässig neben dem augenscheinlich undichten Benzintank sitzt und raucht. Auf der Fahrt wurde uns mit Schwimmwesten ausgestatteten Irlandfahrern Wissenswertes über die Sehenswürdigkeiten in Ufernähe vermittelt. Nach etwa 40 Minuten Fahrt verließen wir den Muckross-Lake und schipperten gemütlich flussaufwärts dem Upper Lake entgegen... gemütlich… dachten wir. Denn kurz vor einer uralten Steinbrücke wurde uns erklärt, dass wir bis auf wenige Ausnahmen die Boote verlassen müssten, da das Wasser zu hoch steht, um die Brücke passieren zu können. Die im Boot verbleibenden Passagiere durften dem zu schwachen Motor nun helfen, gegen die starke Strömung anzukommen. Stephan fiel daher die unheimlich tolle Aufgabe zu, mit einem Paddel das Boot am Ufer abzustoßen und so nach vorne zu drücken. Unter lautstarken „push“-Rufen des Steuermanns und von der Brücke aus von uns beobachtet schaffte er es ohne weitere Mühe, die relativ ängstlich blickenden Regina und Resi (die  auch im Boot geblieben waren) trocken ans Ufer zu bringen. Nachdem auch unser zweites Boot wider erwarten heil durch die Engstelle gekommen war, bestiegen wir die Schiffchen wieder und es ging weiter.
An Lord Brandon´s Cottage startete unser Wanderweg zu Kate Kearney´s Cottage, aber nicht, bevor wir den 50 wartenden übereifrigen Pferdekutschern glaubhaft machen konnten, dass wir tatsächlich „no need of transport“ haben…
Bevor wir zum Gap of Dunloe kamen mussten wir erst noch einen langen aber dann doch relativ unbeschwerlichen Aufstieg unternehmen. Am höchsten Punkt legten wir die wohlverdiente Mittagspause ein. Ein paar Wegbiegungen weiter erreichten wir das Gap of Dunloe und es bot sich uns ein völlig neuer Anblick: vor uns erstreckte sich eine über 10 km hin terrassiert abfallende Schlucht mit 3 großen Seen (in denen ohne Weiteres Nessi hätte leben können). Wir konnten das gesamte Tal überblicken und beinahe bis auf 0 Meter über NN in der Ferne hinunter schauen. Die nächsten 2 Stunden durchwanderten wir die herrliche Landschaft vorbei an den Seen und zahllosen Wasserfällen, irgendwann waren wir lediglich leicht genervt von den ständig rasenden Kamikaze-Pferdekutschern (das war dann also die Rache für no need of transport). Trotz dieser 1 PS-Selbstmordkommandos auf zwei Rädern genossen wir den Anblick und lauschten dem herrlichen Echo in der Schlucht.
Am Ziel angelangt, erlöst durch den ein oder anderen Gang aufs Klo, erfrischt durch ein Eis oder Guinness oder erholt mittels einer Tasse Kaffee, wartete um 16 Uhr auch schon unser verrückter Busfahrer.
Nach dem Abendessen (die Reste des Shepherd´s Pies und Wienern) verbrachten wir den Abend wieder gemeinsam mit Ratschen und spielen. Und flirten…